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Unfall mit Krankenwagen

hinzugefügt von Unbekannt [Email: Keine]
am 13.05.02 14:50

Hallo, meine Frau hatte vor vier Tagen einen schweren Autounfall gehabt. Sie fuhr mit dem Auto auf eine große Verkehrskreuzung mit Ampelanlage zu (Verkehrsampel auf einer Bundesstraße außerorts). Als sie ca. 30 m von der Ampel entfernt war, sprang die Ampel auf "Grün" sowohl für den Geradeaus- und Rechtsverkehr, als auch für die Autos, die links in die Kreuzung einbiegen wollten (Grüner Linksabbiegerpfeil). Als sie in die Kreuzung einfuhr hat sie von links kommend einen Krankenwagen im Einsatz entgegenkommen sehen. Sie zog das Auto gleich nach links rüber, um dem Krankenwagen nicht im Weg zu stehen. Allerdings war der Krankenwagen (mit Blaulicht und Martinshorn) dermaßen schnell, dass er auf den Wagen meiner Frau vorne rechts auffuhr und ihn total zerstörte. Meiner Frau und meiner Tochter, die auch mit im Wagen saß, ist wie durch ein Wunder nichts passiert - sie sind also wohlauf. Meine Frau sagte schon direkt nach dem Unfall, dass der Krankenwagen sehr schnell gefahren sei. Tags darauf haben wir auf der Polizeistation gelesen, dass der Krankenwagen laut Tachoscheibe mit 135 Km/h in die Kreuzung einfuhr (über die rote Ampel)!!! Trotzdem wird meiner Frau von der Polizei z.T. die Schuld an dem Unfall gegeben, weil sie den Unfall wegen "Nichteinräumen von Sonderrechten" hervorgerufen hätte. Sie wollte und hat die Sonderrechte aber doch eingeräumt: Als sie den Krankenwagen sah, hat sie den Wagen sofort nach links gefahren, um dem Krankenwagen auf der Kreuzung den Weg frei zu machen. Hat jemand gleiche oder ähnliche Erfahrungen gemacht und kann uns vielleicht weiterhelfen oder sonst irgendwie Rat geben? Viele Grüße


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Rechtsprechung + Gute Besserung :-)

angehängt von Uwe Brandt (uwe_forum@yahoo.de)
am 13.05.02 15:38

Hallo :-)

>"Trotzdem wird meiner Frau von der Polizei z.T. die Schuld an dem Unfall gegeben, weil sie den Unfall wegen "Nichteinräumen von Sonderrechten" hervorgerufen hätte"

Aufgabe der Polizei ist es u.a., den Unfallhergang so gut wie möglich zu dokumentieren. Sämtliche relevanten Fakten sind aufzunehmen.

Es mag sein, dass ein Polizist eine Bewertung des Unfallgeschehens abgibt. Diese ist aber streng genommen irrelevant. Die Bewertung erfolgt später an ganz anderer Stelle, so z.B. bei Gericht, wenn Unfallzeugen und Gutachter gehört sowie das von der Polizei aufgenommene Unfallprotokoll ausgewertet wird.

Da hier ein hoher Sach- und dazu noch Personenschaden eintrat, landet die Angelegenheit mit Sicherheit vor Gericht. Ich möchte Dir deshalb schon jetzt ganz dringend zur Einschaltung eines Rechtsanwaltes raten, daran wirst Du nicht herum kommen.

Ein wichtiges Indiz zur Zuweisung der Unfallschuld kann selbstverständlich auch die Tachoscheibe des Krankenwagens darstellen (135 km/h). Diese Geschwindigkeit erscheint zur Überquerung einer Kreuzung bei Rotlicht mit Krankenwagen / Blaulicht deutlich zu hoch. Je nach den örtlichen Eigenschaften der Kreuzung muss nun bewertet werden (evt. Gutachter), inwieweit Deine Frau bei einer solchen Geschwindigkeit den Unfall hätte vermeiden können.

Sehr wichtig wird sein, mit welcher Geschwindigkeit Deine Frau in die Ampelkreuzung einfuhr. Zudem wäre zu prüfen, ab wann ein herannahender Krankenwagen mit Blaulicht und Martinshorn (= Wegerecht § 38 StVO) erkannt werden kann. Wenn also die freie Sicht an der Kreuzung durch Bebauung oder Bepflanzung nicht möglich ist, wären 135 km/h völlig überzogen. Bei einer "freiliegenden" Kreuzung mit Sicht in alle Richtungen kann dies schon anders eingeschätzt werden, es ist also vom Einzelfall abhängig.

Hier noch was aus der Rechtsprechung:

Der Einsatzfahrer schuldet dem Verkehr Rücksicht (OLG Düsseldorf VR 88 813), u.U. muss er sich beim Linksabbiegen bei Rot vortasten (OLG Düsseldorf VR 75 266, KG NZV 92 456), bei Einfahren in unübersichtliche Kreuzung während der Rotphase (ist) Schrittgeschwindigkeit (zu) fahren (OLG Köln VR 85 372, KG NZV 92 456).


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Zu: Unfall mit Krankenwagen

angehängt von Unbekannt (Email-Adresse unbekannt)
am 13.05.02 16:21

Hallo Uwe, erst einmal vielen Dank für Deine Darstellung. Personenschaden gab es zum Glück keinen - allen Unfallbeteiligten geht es gut. Hältst Du es für ratsam, schon zum jetzigen Zeitpunkt (Anhörung bzw. schriftliche Äußerung zum Unfall) einen RA zu kontaktieren oder abzuwarten bis aus Kassel der Bescheid kommt, den man dann akzeptieren kann oder gegen den man dann vorgeht (mit Anwalt)?


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§ 35 Abs. 8 StVO!!!

angehängt von Peter Lustig (macmen@web.de)
am 13.05.02 20:24

Mit 135 km/h bei Rotlicht über eine Kreuzung - das erscheint mir eindeutig zu schnell. Sonder- und Wegerechte geben nicht das Recht, unter Missachtung jeglicher Sorgfalt und Rücksichtnahme am Verkehr teilzunehmen und dabei andere zu gefährden. Neben den von Uwe zitierten Urteilen ist hier auch § 35 Abs. 8 StVO einschlägig:

"Die Sonderrechte dürfen nur unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden."

Damit kann sich der forsche Krkw-Fahrer kaum aus der Verantwortung stehlen.

Mein Tipp: ein guter Verkehrsrechtsanwalt dürfte hier viel für Euch tun können!


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Einschaltung Rechtsanwalt

angehängt von Uwe Brandt (uwe_forum@yahoo.de)
am 14.05.02 11:09

@Unbekannt:

>"Hältst Du es für ratsam, schon zum jetzigen Zeitpunkt (Anhörung bzw. schriftliche Äußerung zum Unfall) einen RA zu kontaktieren..."

Hmmh, sofern eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen wurde, würde nichts dagegen sprechen...

Du solltest jetzt verdammt aufpassen: Der Unfall dürfte rechtlich in zwei Teile zerlegt werden...

1.) Owi-Recht (Bußgeld, Punkte, ...) oder ggf. Strafrecht und

2.) Zivilrecht (Schadensabwicklung).

Sollte Deiner Frau eine Verkehrs-Ordnungswidrigkeit (Owi) zur Last gelegt und diese rechtskräftig sanktioniert werden, könnte dies u.U. nachteilig für den (späteren) zivilrechtlichen Teil werden.

Mach es doch so: Du kannst mit einem Rechtsanwalt vorab ein "informatorisches Gespräch" führen, dies sollte nicht die Welt kosten (ca. 100 Euro). Dieser kann Dir dann schon einiges zur weiteren Taktik sagen - ich denke dass wäre ratsam. Sofern abzusehen ist, dass es zu einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung kommt, wäre eine frühestmögliche Einschaltung eines Rechtsanwaltes (Verkehrsrecht) sicherlich anzuraten.

@Peter:

Danke für den Hinweis auf § 35 VIII StVO :-)

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