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Unfall beim Wenden -Ich bin ratlos....

hinzugefügt von holgerka75 [Email: Keine]
am 13.10.02 16:20

Hallo Forum-Mitglieder,

folgendes Szenario:
Heute mittag fuhr ich auf einer innestädtischen Hauptstrasse entlang. Diese Hauptstrasse besitzt jeweils eine Fahrspur für jede Richtung, und in der Mitte ein ca. 2 Meter breiter Mittelstreifen (für Begrünungen, ist aber zur Zeit leer).
Dieser Mittelstreifen ist an Kreuzungen natürlich unterbrochen, so dass man problemlos abbiegen oder wenden kann(darf). An einer dieser Kreuzungen (ampelfrei) wollte ich also wenden, blinkte, bremste ab, und da kein Gegenverkehr kam, bog ich also nach links ab. In dem Moment rast mir eine Frau mit ihrem Jeep von hinten ins Auto. Ich war sogar schon beim Wenden, sodass sie mich nicht hinten traf sondern links hinten an der Seite.
Meiner Meinung nach hat sie einfach nicht gesehen, dass ich blinke..... §9 der StVo sagt nur, dass man beim Wenden die anderen Verkehrsteilnehmer nicht gefährden darf. Aber das hab ich doch nicht gemacht? Die Frau hätte doch mein Blinken und die Bremslichter sehen müssen?
Die hinzugerufene Polizei will mir jetzt die Schuld anhängen. Ich hätte andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, obwohl ich beim Wenden keine Ordnungswidrigkeit begangen hätte (O-Ton). Was ist denn das? Das ist doch unlogisch....

Was meint ihr dazu?

Ich hatte noch nie einen Unfall, und weiß deshalb auch nicht, wie ich mich zu verhalten habe. Ich habe die Schuld erst mal nicht zugegeben, und angegeben dass ich mir Rechtsbeistand geben lasse. War das richtig?
Darf ich das Auto morgen in die Werkstatt geben? Muss ich die Versicherung gleich anrufen? Was muss ich sonst noch machen? Ich bin total durch den Wind, über Antworten von Euch würde ich mich sehr freuen......

Gruß
Holger


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Zu: Unfall beim Wenden -Ich bin ratlos....

angehängt von Tovi [Email: Keine]
am 13.10.02 16:42

Hi,
hm, eigentlich ne klare Sache.
Vorweg, die Schuld wird vor Ort nicht festgestellt, sondern ein Verursacherprinzip.
Und hier muß man bei deinem Sachverhalt klar sagen, dass die Frau den Unfall verursacht hat (kein Zweifel).
Du hast auch recht, was das Verhalten der Polizei betrifft (merkwürdig).
Um einen Unfall verursacht zu haben, muß man zwangsläufig einen verkehrsrechtlichen Verstoß begangen haben. Die Polizei muß dich also entweder vor Ort verwarnt haben (mündlich oder per Verwarnungsgeld) oder den Unfall als Ordnungswidrigkeit schriftlich aufnehmen (ggf, vielleicht, u.U. Fehler beim Wenden ?????).

Wenn du auf der Unfallmitteilung als Beteiligter mit der Ordnungsnummer 01 ausgewiesen bist, bist du dazu verpflichtet deine Versicherung umgehend in Kenntnis zu setzen.
Dies ist aber erstmal immer ratsam.

Also ich kann bei dem Sachverhalt kein Fehlverhalten deinerseits erkennen.
Ich würd mir erstmal anhören, was meine Versicherung zu sagen hat und dann ggf. anwaltliche Hilfe hinzurufen.

Also, wenn es so war wie du beschreibst, in Ruhe abwarten was kommt.

Gruß,
Tovi


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Abstand

angehängt von Peter Lustig [Kontakt]
am 13.10.02 18:52

Ich sehe die Sache wie tovi. Deine Unfallgegnerin hat nach meinem Dafürhalten einen Verstoß gegen § 4 StVO begangen, da sie nicht den erforderlichen Abstand eingehalten hat, um ihr Fahrzeug hinter Dir als Abbiegendem noch sicher zum Stehen zu bringen. Was hättest Du denn tun sollen, um diesen Unfall zu vermeiden? Wenn Du dich vor dem Abbiegen durch einen Blick nach hinten davon überzeugt hast, dass ein sicheres Abbiegen möglich ist (§ 9 Abs. 1 Satz 4 StVO), und den Blinker gesetzt hast, hast Du nach meinem Dafürhalten Deine Sorgfaltspflichten erfüllt.

Da an Dich Ansprüche gestellt werden dürften, ist es ratsam, den Unfall Deiner Versicherung zu melden. Lass Dir die Versicherungsdaten Deiner Unfallgegnerin geben und bitte sie, auch Ihrerseits den Schaden ihrer Versicherung mitzuteilen. Setze Dich mit der gegnerischen Versicherung in Verbindung und sprich mit ihr die Reparaturmodalitäten für Dein Fahrzeug ab (Begutachtung durch Sachverständigen usw.).

Ggf. lohnt sich die Einschaltung eines Rechtsanwalts. Rechtsschutzversicherung?


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Sieht nicht gut aus ...

angehängt von Uwe Brandt [Kontakt]
am 14.10.02 09:24

Also das ist ein kniffeliger Fall und sieht nicht gut aus für Holger...

Nach Kommentar StVR Hentschel handelt es sich um "Wenden", wenn bei getrennten Fahrbahnen der durchbrochene Mittelstreifen schmaler als die Länge des wendenden Fahrzeugs ist. Dies dürfte hier der Fall sein ("2 Meter"), so dass hier tatsächlich von "Wenden" und nicht von "zweifachen Linksabbiegen" auszugehen und Absatz 5 des § 9 StVO einschlägig ist.

Wenden erfordert äußerste Sorgfalt. Zur äußersten Sorgfalt des Wendenden gehört es, daß er nicht in der Nähe einer unübersichtlichen Kurve, sondern in gut überblickbaren Verkehrsbereichen wendet, OLG Köln VR 79 678, und daß er [...] nur wendet, wenn er auf der Fahrbahn niemand gefährden kann, OLG Köln VRS 57 7 = StVE Nr. 33.

Der Wendende trägt die Hauptverantwortung, OLG Saarbrücken VM 77 23, OLG Köln VR 79 41, was fremde Mitschuld nicht ausschließt - ... man beachte die Formulierung "Mitschuld"!!

Ausgeschlossen (!) muß die Gefährdung anderer beim [...] Wenden sein. Der [...] Wendende trägt die Verantwortung praktisch ganz allein, OLG Saarbrücken VM 77 23, OLG Düsseldorf VR 83 40, OLG Hamm VRS 42 422, etc.

Quelle: Kommentar StVR Jagusch/Hentschel, Beck-Verlag.

Hier noch ein paar Hinweise zu § 9 Abs. 5 StVO:

>[Zitat:] "Beim Abbiegen in ein Grundstück, beim Wenden und beim Rückwärtsfahren muß sich der Fahrzeugführer darüber hinaus so verhalten, daß eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist; erforderlichenfalls hat er sich einweisen zu lassen."

Die Worte "darüber hinaus" verweisen auf die in den vorhergehenden Absätzen begründeten Pflichten und machen deutlich, daß es bei diesen besonderss gefährlichen Fahrmanövern ein Übriges zu tun ist. Wie weit die "darüber hinaus" bestehenden Pflichten je nach den Umständen gehen können, wird durch die ausdrücklich erwähnte pflicht, sich erforderlichenfalls einweisen zu lassen, aufgezeigt.

Quelle: Amtliche Begründung zu § 9 StVO.

Tja, sieht also nicht berauschend aus. Ich empfehle dringend die Einschaltung eines Rechtsanwalts. Evt. kann Mitschuld bei der "Unfallgegnerin" geltend gemacht werden...


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@Uwe Brandt

angehängt von Tovi [Email: Keine]
am 14.10.02 10:38

Hi,

ich seh das nicht so "negativ" wie du Uwe. Du hast aber natürlich recht, bezüglich der Sorgfaltspflichten beim Wenden (und vom Wenden kann hier ausgegangen werden).

Jedoch sehe ich hier nicht den Tatbestand der Gefährdung gegeben.
"Tatbestandsmäßig ist nur die konkrete Gefährdung; es genügt nicht, wenn der Eintritt eines Schadens nur denkbar ist, weil er noch vom ungewissen Hinzutreten weiterer Umstände abhängt".

Weiterhin ist die Gefährdung ein "Herbeiführen eines Zustandes, der die Besorgnis begründet, eine Schädigung stehe unmittelbar bevor".

Das im Sachverhalt erläuterte Wenden ist in meinen Augen ein "normales" Verkehrsverhalten, welches nicht über die üblichen Gefahren im Straßenverkehr hinaus geht.
Bei einem verkehrskonformen Wendevorgang kann nicht davon ausgegangen werden, daß ein Schaden unmittelbar bevorsteht.

Auch müssen hier die Begleitumstände berücksichtigt werden.
Wenn man davon ausgeht, daß es sich um eine gerade Straße handelt (Hauptstraße, innerstädtisch) und die Mittelbegrenzung nicht begrünt war (also gute Übersicht), dann kann ich keine Zustand einer Gefährdung beim Wendevorgang erkennen.

Um es mal auf den Punkt zu bringen: Wenn der Sachverhalt so stimmt, dann wäre das "Huhn" im Jeep in alles reingefahren, was sich ihr in den Weg gestellt hätte.
Bei so einer guten Übersichtlichkeit einen Unfall zu verursachen ist aus meiner Sicht schon ne Glanzleistung.

Aber wie auch Uwe schon sagte, anwaltschaftliche Hilfe ist hierbei ratsam.
Denn eine Mitschuld ist, wenn es um die versicherungstechnische Regulierung der Schäden geht, nicht auszuschließen.
Ich sehe diese "Mitschuld" nur im umgekehrten Verhältnis (im Gegensatz zu Uwe).

Gruß,
Tovi


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@Tovi

angehängt von Uwe Brandt [Kontakt]
am 14.10.02 11:29

Hallo Tovi :-)

>[Zitat:] "Das im Sachverhalt erläuterte Wenden ist in meinen Augen ein "normales" Verkehrsverhalten, welches nicht über die üblichen Gefahren im Straßenverkehr hinaus geht."

Hier sehe ich den Kasus-Knacktus: Rechtsprechung und Verordnungsgeber sehen im Wenden eben ausdrücklich kein "normales" sondern ein "besonders gefährliches Fahrmanöver" welches dem Fahrzeugführer "darüber hinaus" (also über § 1 StVO hinaus) -gehende Pflichten auferlegt.

Ich habe ein paar OLG-Urteile zitiert, welche die Stellung des Wendenden gegenüber dem Unfallgegner deutlich herabstufen - eben aus v.g. Gründen.

Der Hinweis sich "erforderlichenfalls einweisen zu lassen" zeigt ja schon ganz deutlich, was der Verordnungsgeber vom Wendenden erwartet: Salopp gesagt, ein Wenden bei praktisch leerer Fahrbahn :-)

Richtig ist, wie haben es hier mit einem Einzelfall zu tun. Ein guter Vortrag eines Rechtsanwalts (vielleicht sollte @Holger unseren @Tovi einschalten :-)) könnte sicherlich etwas bewirken. Jedoch bin ich nicht so otimistisch - der Wendende ist nach meinem Dafürhalten in einer schlechteren, d.h. defensiveren Position.


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Zu: Unfall beim Wenden -Ich bin ratlos....

angehängt von tom [Email: Keine]
am 14.10.02 11:47

er hat doch aber an einer Kreuzung gewendet, hätte er hier abbiegen wollen und es wäre zu dem gleichen Unfall gekommen, stünde er also besser da? das kann ich nicht nachvollziehen,wieso an der gleichen Stelle unterschiedliche Folgen eintreten sollten.


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Zu: Unfall beim Wenden -Ich bin ratlos....

angehängt von Peter Lustig [Kontakt]
am 14.10.02 12:04

Ich kann die Gedanken von tom im vorstehenden Beitrag absolut nachvollziehen und wehre mich ebenfalls dagegen, in diesem Fall zwischen Wenden und Abbiegen differenzieren zu wollen.

Was wäre denn - den reinen Unfallhergang betrachtet - der große Unterschied gewesen? Ich sehe keinen; auch der Abbieger hätte doch vermutlich an derselben Position warten müssen wie unser Holger als Wender. In beiden Fällen blieb doch dem Abbieger wie auch dem Wender gar nichts Anderes übrig, als dort zu warten - oder aber nicht abzubiegen bzw. zu wenden und weiterzufahren.

Die Jeep-Fahrerin hat für mich schlicht und ergreifend nicht aufgepasst und wäre auch nach meinem Dafürhalten in alles reingerauscht, was ihr in diesem Moment im Weg stand.

Die von Uwe zitierten Urteile dürften sich doch wohl mehr auf das Wenden irgendwo auf freier Strecke beziehen. Auf letzteres bezieht sich ebenso in diesem Zusammenhang der zitierte § 9 Abs. 5 StVO. An einer Kreuzung oder Einmündung muss ein Kraftfahrer jederzeit damit rechnen, dass dort abgebogen, eingefahren oder auch gewendet wird und damit besonders aufmerksam und vorsichtig sein.


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@Uwe gegen den Rest der Welt :-)

angehängt von Uwe Brandt [Kontakt]
am 14.10.02 13:49

Hallo nochmals :-)

@tom:

Keine Frage, unterschiedliche rechtliche Folgen hinsichtlich der Schuldfrage wären so ohne weiteres nicht nachvollziehbar gewesen - da gebe ich dir völlig recht.

Vielleicht bin ich mit meinen Beiträgen auch etwas mißverstanden worden. Ich habe nicht behauptet, dass bei einem "zweimaligen Abbiegen" eine andere rechtliche Bewertung als beim "Wenden" erfolgt. Nein, ich habe zuerst nur die Frage untersuchen wollen, ob es sich im hier vorliegenden Fall überhaupt um ein "Wenden" handelt. Dies ist offensichtlich der Fall. Danach habe ich mich dann in die Rechtsprechung gestürzt, ohne weiter zum Thema Abbiegen und seinen Folgen zu recherchieren.

@Peter:

>[Zitat:] "... und wehre mich ebenfalls dagegen, in diesem Fall zwischen Wenden und Abbiegen differenzieren zu wollen."

Das habe ich auch nicht tun wollen, es ging allein um die rechtliche Einordnung mit dem Ergebnis, dass hier "Wenden" vorliegt. Dies war sozusagen nur der erste Schritt.

>[Zitat:] "... auch der Abbieger hätte doch vermutlich an derselben Position warten müssen wie unser Holger als Wender."

Dies könnte sein, muß aber nicht. Evt. wird beim Wenden ein größerer Radius und/oder ein vorheriges ausholen des Kfz nach rechts erforderlich. Dies hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab.

Mich wundert, dass eine Kollision "links hinten an der Seite" auftrat. Dies deutet doch daraufhin, dass @Holger vor dem Wenden nach rechts ausholte oder den Wendevorgang nicht von dem äußerst linken Fahrstreifen durchführte.

Beim reinen Linksabbiegen wäre doch zu vermuten gewesen, dass der Vorgang vom äußersten linken Fahrstreifen heraus erfolgt. Die Nachfahrende hätte dann das Fahrzeug von @Holger nur "von hinten treffen" können. Vielleicht wird Dir jetzt klar, warum ich subjektiv betrachtet @Holger nicht so einfach reinwaschen kann.

>[Zitat:] "Die Jeep-Fahrerin hat für mich schlicht und ergreifend nicht aufgepasst und wäre auch nach meinem Dafürhalten in alles reingerauscht, was ihr in diesem Moment im Weg stand."

Davon kann ausgegangen werden. Siehe die von mir zitierten Urteile. Stichwort "Mitschuld".

>[Zitat:] "Die von Uwe zitierten Urteile dürften sich doch wohl mehr auf das Wenden irgendwo auf freier Strecke beziehen. Auf letzteres bezieht sich ebenso in diesem Zusammenhang der zitierte § 9 Abs. 5 StVO."

Mag sein. Den Verkehrsvorgang habe ich als "Wenden" eingestuft (vgl. Hentschel-Kommentar) - da liegt es dann doch nahe, auch die entsprechenden Urteile aus diesem Bereich zu studieren. Und diese sehen nun mal unisono "durchwachsen" aus.

Nicht dass hier der Eindruck entsteht, ich sei "gegen" @Holger, nein (!), so möchte ich meine Postings nicht verstanden wissen. Bloß alle Poster haben mir bisher die Sachlage zu eindeutig für Holger gesehen. Ich vermute, dass da noch heftige Diskussionen zu erwarten sind, deshalb auch mein Rat mit dem Rechtsanwalt!!

Nochmals: Das "Wenden" ist kein "normaler" Verkehrsvorgang wie hier behauptet wurde, dies macht die Ausgangslage für @Holger eben nicht ganz einfach.

P.S. Es macht mir Spass, so mit Euch zu fachsimpeln. Alle Postings zusammen, werden @Holger sicherlich helfen können. Dies sollte ja auch unser gemeinsames Ziel sein.


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Schaun mer mal!

angehängt von Peter Lustig [Kontakt]
am 14.10.02 18:58

Ich hoffe, dass Holger uns auf dem Laufenden hält.


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Zu: Unfall beim Wenden Ich war heute beim Anwalt

angehängt von holgerka75 [Email: Keine]
am 14.10.02 22:14

Hallo Leute,

vielen, vielen Dank für Eure Antworten! Sie alle bestätigen eigentlich das, was auch meine Meinung ist.

Ich möchte noch eines auf Uwes Frage hinzufügen, warum die gute Frau mir in die Seite gefahren ist und nicht hinten rein:
Ich habe nicht nach rechts ausgeholt. Die Frau sagt, es wäre am Strassenrand ein PKW gestanden (der allerdings später nicht da war, ich kann mich auch nicht an ihn erinnern), den sie umfahren hat, und deshalb etwas in der Mitte der Fahrbahn fuhr. Deshalb hat sie mich praktisch mitten im Wendevorgang, also seitlich hinten, erwischt.

Zum Aktuellen:
Ich war heute beim Anwalt (kostenlose Erstberatung über ADAC-Mitgliedschaft), der sich eine dreiviertel Stunde Zeit für mich nahm. Dieser erklärte mir leider, keine Chance zu haben! Begründung:
Ich hätte, nachdem ich im Rückspiegel das Auto gesehen habe, entweder rechts ranfahren müssen und warten bis das Auto vorbei ist (geht hier an der Kreuzung aber nicht), oder eben den Vorgang nicht durchführen und weiterfahren....(In meinen Augen absolut unlogischer Schwachsinn, aber ich bin eben nicht das Gestz...).
Er sagte weiterhin, das Gesetz, also der §9 der StVo, ist etwas durchwaschen, nicht genau definiert, allerdings sieht er durch zahlreiche Gerichtsurteile, die GEGEN den Wendenden ausgesprochen wurden, keine Chance für mich. Anscheinend hat irgendein Richter mal angefangen, den Wendenden schuldig zu sprechen, und andere Richter wären nachgezogen....

Er sagte, er hätte Verständniss für mich, er fände das Ganze auch reichlich blöd, aber aufgrund der bisherigen Gerichtsurteile kann er einfach nichts machen, und rät mir von einem Prozess ab.

Wisst ihr was mich so richtig ärgert? Ich habe die Geschwindigkeit verringert, habe geblinkt, habe ordnungsgemäss gewendet, und nun bleibt alles(Ärger und Kosten und Punkte) an mir hängen, nur weil diese *das spar ich mir jetzt* zu blind ist zu erkennen was vor ihr geschieht.....
Wisst ihr was ich meine? Wenn ich mir wenigstens einer Schuld bewusst wäre......Bin ich aber nicht. :-(

Ich danke Euch allen,
Gruß
Holger


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Zu: Unfall beim Wenden -Ich bin ratlos....

angehängt von Tovi [Email: Keine]
am 14.10.02 22:39

Hm,
bin ein wenig sprachlos, äh schreiblos ?.
Da mach ich mir schon meine Gedanken.

@Uwe und der Rechtsanwalt zitieren bereits vorhandene Gerichtsurteile zu ähnlich gelagerten Sachverhalten (bidde jetzt nicht falsch verstehen, ist ja auch durchaus richtig).

Aber ich sträube mich ein wenig dagegen, dass Gerichtsurteilen eine so hohe Bedeutung zukommen.
Sicherlich kann man bei fast identischen Sachverhalten die gleichen Schlüsse ziehen, aber, meiner Meinung nach, je öfter man Gerichtsurteile immer wieder auf ÄHNLICHE Begebenheiten projeziert, gerät der Gesetzestext, der tatsächliche Einzelfall und der logische Menschenverstand immer mehr in den Hintergrund.
Das kann irgendwo nicht richtig sein.

Ich weiß nicht, ob ich trotzdem versuchen sollte den Fall zu "gewinnen". Ich steck da nunmal nicht drin. Aber ich kann den Unmut verstehen.
Jetzt muß man sogar schon aufpassen, dass dir niemand in dein Heck reinsemmelt.

Vielleicht `ne zweite Meinung einholen ???
Ist ja (wie man hier liest) durchaus kontrovers diskutiert worden.

Wünsch dir auf jeden Fall viel Glück.

Gruß,
Tovi


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Zu: Unfall beim Wenden -Ich bin ratlos....

angehängt von Hans Wurst [Email: Keine]
am 14.10.02 23:01

Was soll denn die Scheisse!???

Also über sowas kann ich mich ja wirklich aufregen. Da kann man mal wieder sehen: Recht haben und Recht bekommen sind in Deutschland zwei Paar Schuhe!

Jemand verhält sich völlig korrekt und ist am Ende trotzdem der Dumme.
Und das Gesetz ändern will irgendwie auch keiner so recht, obwohl sicherlich schon viele (wie auch der ADAC Anwalt) an dessen Sinn gezweifelt haben.

Aber stopp, wir haben doch bald eine StVO in "modernem Deutsch" - wenn das mal keine Reform is!

Und Dir, Holger, kann ich nur mein Beileid aussprechen und für Dich hoffen, dass es nicht allzu teuer wird. Vielleicht könntest Du ja einfach behaupten, dass Du abbiegen wolltest??


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Bleibt nur noch zu sagen

angehängt von Markus [Kontakt]
am 15.10.02 07:59

@Uwe



Gelle... :-)

Website: http://blitzer.toonic.de


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Fragen an @Holger

angehängt von Uwe Brandt [Kontakt]
am 15.10.02 08:42

@Markus:

Also freuen kann ich mich nicht ...

@Holger:

Ich muß nochmal genau nachfragen, weil ich glaube, den Unfallhergang noch nicht ganz genau verstanden zu haben...

>[Zitat:] "...eine Fahrspur für jede Richtung, und in der Mitte ein ca. 2 Meter breiter Mittelstreifen..."

>[Zitat:] "An einer dieser Kreuzungen (ampelfrei) wollte ich also wenden, blinkte, bremste ab, und da kein Gegenverkehr kam, bog ich also nach links ab."

>[Zitat:] "Die Frau sagt, es wäre am Strassenrand ein PKW gestanden [...] den sie umfahren hat, und deshalb etwas in der Mitte der Fahrbahn fuhr. Deshalb hat sie mich praktisch mitten im Wendevorgang, also seitlich hinten, erwischt."

Bedeutet dies konkret, dass Du 1.) links geblinkt und 2.) Dich vor dem Wenden weit rechts auf der Fahrbahn befunden hast??

Die Fahrbahn muß also sehr breit gewesen sein. Können zwei mehrspurige Kfz die Fahrbahn parallel benutzen??


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Zu: Fragen an Holger - Antwort

angehängt von holgerka75 [Email: Keine]
am 17.10.02 00:06

Hallo Uwe,

Zu Frage 1: Ja, ich habe geblinkt.
Zu Frage 2: Nein! Es ist so: Die Strasse besteht aus zwei Fahrspuren (normalgroß, für je ein Auto eben). Zwischen diesen zwei Fahrspuren ist ein Mittelstreifen (etwa 2 Meter breit), der für Begrünungen etc. gedacht ist, zur Zeit aber leer. An der besagten Kreuzung ist dieser unterbrochen, zum Wenden oder abbiegen.
Und nein, ich habe nicht nach rechts ausgeholt, das geht auch gar nicht, dafür ist der Fahrstreifen zu klein.
Das Auto, das von der Frau anscheinend umfahren wurde, müsste etwa 10-15 Meter vor der Kreuzung gestanden haben. Deswegen fuhr sie in dem Moment auf dem Mittelstreifen und hat mich deswegen seitlich (im Wendevorgang) erwischt und nicht von hinten. (Hmm, dieses Auto müsste ich ja auch umfahren haben, nur erinnere ich mich nicht wirklich daran ob da eines stand. Als die Polizei da war, war da auf jeden Fall keines).

Grüße
Holger


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Hmmh ... ein 2. Versuch wäre anzuraten

angehängt von Uwe Brandt [Kontakt]
am 17.10.02 16:38

Aha, jetzt ist es klarer, der Mittelstreifen ist also durchgängig befahrbar.

Hier ein paar Überlegungen ...

Fakt ist demnach, dass die nachfolgende Pkw-Fahrerin den befahrbaren Mittelstreifen - aus welchen Gründen auch immer - befuhr. Dies ergibt sich aus dem jeweiligen Fahrzeugstand sowie dem Schadensbild (Kollision "hinten-links"). Hoffentlich wurde dies auch so im Unfallprotokoll aufgenommen und dokumentiert!

Die Unterbrechung des Mittelstreifens dient ja naturgemäß bestimmten Zwecken. Entweder befindet sich eine Einmündung auf der anderen Seite oder der Mittelstreifen ist eigens zum Zwecke des Wendens angelegt worden. Die Benutzung der Unterbrechungsstelle zum Zwecke des Abbiegens oder Wendens kann also als "verkehrsüblich" eingestuft werden.

Zuerst die das Verhalten des Wendenden ("äußerste Sorgfalt") zu beurteilen, hierzu gehört z.B.

  • deutliches Einordnen (sofern Fahrstreifenbreite dies zuläßt),

  • Verlangsamung der Fahrgeschwindigkeit,

  • deutliche Richtungsanzeige und

  • Rückschau zum nachfolgenden Verkehr.

Nehmen wir mal an, Du, also @Holger, hast Dich unter Beachtung der erforderlichen "äußersten Sorgfalt" verhalten. Das "Wenden" oder "Abbiegen" wurde verkehrsgerecht begonnen / eingeleitet. Ich halte hier i.ü. eine Unterscheidung, ob nun Wenden oder Abbiegen vorliegt, hinsichtlich der Unfall-Ursächlichkeit nicht für relevant. Der nachfolgende Verkehr MUSS bei verkehrsgerechtem Verhalten des Vorausfahrenden ein mögliches (!) Abbiegen (oder Wenden) an einer dafür geeigneten Stelle frühzeitig erkennen und die Fahrgeschwindigkeit entsprechend anpassen. Dies ergibt sich für die Nachfahrende aus den durch die StVO auferlegten Pflichten für Kfz-Führer (vgl. §§ 1 und 3 StVO).

Weiter ist festzustellen, dass die Nachfahrende nachweislich den (für Fahrverkehr gesperrten) Mittelstreifen ordnungswidrig befuhr. Es ist zu hinterfragen, ob dieses verkehrswidrige Verhalten dazu geführt hat, dass die Kollision allein deshalb nicht mehr verhindert werden konnte. Oder Umkehrfrage: Bestand die Möglichkeit, die Kollision bei korrekter Einhaltung des Abstandes (vgl. § 4 StVO) durch ein schnelles Ausweichen (Notsituation) zu vermeiden?

Problem:

Du must einerseits Dein verkehrsgerechtes Verhalten als auch andererseits das verkehrswidrige Verhalten der Unfallgegenerin nachweisen. Ein Rechtsanwalt muss also bei Vorliegen sämtlicher Umstände dieses Einzelfalls zunächst einmal prüfen, ob er in dieser Hinsicht belegbar (!) argumentieren kann. Das wird nicht einfach. Helfen kann evt. das Unfallprotokoll.

Insgesamt würde ich die Flinte noch nicht ins Korn werfen. Aus Deiner Schilderung geht hervor, dass hier nicht Abbiegen/Wenden auf gleicher Fahrbahn sondern vielmehr Abbiegen/Wenden an geeigneter Stelle vorliegt. Fremde Mitschuld ist also nicht ausgeschlossen.

Dies waren alles ein paar Fragen, die Du nochmals mit einem anderen Rechtsanwalt durchsprechen solltest. Ich kann hier nur ein paar grobe Anreize geben, der RA wird wissen, wie das Pferd aufzuzäumen wäre. Mein Rat lautet also: Nochmals einen zweiten RA aufsuchen und auch diesen um rechtlichen Rat bitten.


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Zu: Zweiter Versuch @Uwe

angehängt von holgerka75 [Email: Keine]
am 18.10.02 16:18

Hallo Uwe,

erstmal vielen Dank für die Mühe die Du Dir da gemacht hast. Soetwas findet man nicht überall....

Und Du hast Recht. Nachdem nun kein einziger Mensch (von den hunderten die ich befragt hatte :-)( z.B. Bekannte, Verwandte, Autohaus, ADAC, Mietwagenfirma usw...) mir Unrecht gab, und alle meine Meinung bestätigten, habe ich mich dazu entschlossen, eine zweite Meinung einzuholen. Ich habe nun am Montag einen Termin bei einem Rechtsanwalt, den mir mein Autohaus empfohlen hat.
Ich berichte dann weiter!

Nochmals Danke an Dich und auch an die Anderen,
Gruß
Holger

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