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Vorfahrt missachtet o. im fliessendem V.

hinzugefügt von Peter73 [Email: Keine]
am 11.12.02 13:48

Bin mit meinem Auto an eine Vorfahrtstrasse (4 Spuren, jede Richtung 2 Spuren) mit Stoppschild gefahren.
Habe am Stoppschild gehalten und habe in ca. 200 - 250 Meter Entfernung Motorrad mit folgendem Fahrzeug gesehen.
Ich fand den Abstand sehr aussreichend und bin auf die Vorfahrstrasse abgebogen. Nach ca. 20 Meter hinter der Kreuzung macht der
Motorradfahrer eine Vollbremsung und faellt hin. Ich habe den Vorgang im Spiegel beobachtet und bremse sofort stark ab. Geschwindigkeit
fast 70 km/h. Motorradfahrer rutscht in den Graben. Dem Motorradfahrer ist zum Glueck nichts passiert.
Motorrad rutscht 81 Meter und trifft meinen Wagen.
Beim Aussteigen erkannte ich, dass es sich bei dem Motorradfahrer um einen Fahrschueler handelt. Gefolgt vom Fahrlehrer im Auto. Der Fahrschueler
hat genau gegen die Sonne geschaut und hat mich nicht sofort gesehen. Er hat ploetzlich ein Auto gesehen und hat Panik bekommen und eine
Vollbremsung gemacht. Er war mit der Situation ueberfordert und ist unnoetigerweise gestuerzt. (Ueberholspur war frei!) Die Polizei wirft mir vor, das ich die
Vorfahrt missachtet habe und gibt mir die Schuld an dem Unfall.
Ich bin der Meinung, dass ich mich schon im fliessenem Verkehr befunden habe. Falls ich den Sturz nicht gesehen haette und nicht
anschliessend stark gebremst, waere es nicht zum Kontakt zwischen Motorrad und meinem Fahrzeug gekommen.
Habe ich die Vorfahrt missachtet oder war ich schon im fliessenem Verkehr? Liegt die Schuld des Unfalls wirklich bei mir?
Vielen Dank


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Die Geschichte nimmt dir kein Gericht ab

angehängt von MrMurphy [Email: Keine]
am 11.12.02 14:05

Die Geschichte hört sich sehr konstruiert an. Außerdem kommen die Tatsachen nicht so klar rüber. Im Moment sieht es für mich so aus, das du nach 20m schon 70 km/h drauf hattest und dann stark gebremst hast.

Bei einer Ausbildungsfahrt kann man davon ausgehen, das der Motorradfahrer nicht zu schnell gefahren ist. Was hat denn der Fahrlehrer ausgesagt?

Hat der Fahrschüler ausgesagt, das er überfordert war oder ist das deine Schlußfolgerung?

Warum um alles in der Welt hast du überhaupt stark gebremst? Das zeigt doch eher, das du mit der Situation vollkommen überfordert warst. Wenn du merkst, das der Motorradfahrer dir zu nahe kommt mußt du doch eher Gas geben. Durch das Bremsen hast du ihn doch erst recht in Bedrängnis gebracht. Dabei hast du doch offensichtlich alles im Rückspiegel beobachtet.

Das da eine Überholspur war spielt keine Rolle, als Wartepflichtiger darfst du den Verkehr auf der bevorrechtigten Straße nicht gefährden. Eine betimmte Fahrspur darfst du ihm schon gar nicht aufdrängen, da kommst du bereits in den Bereich der Nötigung.

War das innerhalb oder außerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Gab es eine Geschwindigkeitsbeschränkung?


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an MrMurphy: Text missverstanden

angehängt von Peter73 [Email: Keine]
am 11.12.02 15:39

Hallo MrMurphy,

der Text ist wohl etwas missverstaendlich formuliert. Sorry.

1. der Motorradfahrer hat 20 Meter nach der Kreuzung eine Vollbremsung gemacht. Ich hatte da natuerlich
schon eine groessere Entfernung von der Kreuzung.

2. der Unfall war außerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Geschwindigkeitsbegrenzung 80 km/h. Der Motorradfahrer
hat ausgesagt, das er 90 km/h gefahren ist.

3. Ich habe natuerlich erst gebremst, als der Motorradfahrer schon gestuerzt war und ich gesehen habe das er in
den Graben gerutscht ist. Ich wollte dem Motorradfahrer helfen. Mir war in dem Moment egal ob die Maschine
in mein Auto rutscht oder nicht.

Die anderen Punkte sind mir klar. Die Frage ist nur, ob ich mich nicht schon im fliessenen Verkehr befunden habe.


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Schwierig zu beurteilen

angehängt von MrMurphy [Email: Keine]
am 11.12.02 16:36

Es geht dir ja darum, ob der Unfall noch im Zusammenhang mit dem Auffahren auf die Vorfahrtstraße zu sehen ist oder nicht, weil das die Haftung mit beeinflußt.

Dabei ist das Problem, das es keine festen Werte gibt. Man kann also z. B. nicht sagen, bei einer zulässigen Geschwindigkeit von 80km/h zählt alles, was ab 150m hinter der Kreuzung geschieht, zum fließenden Verkehr.

Auf das, was die Polizei vor Ort sagt, sollte man sich dabei nicht verlassen, weder im positiven noch im negativen.

Falls es zu einer Verhandlung kommt, wird das Gericht die Sicht- und Straßenverhältnisse in die Beurteilung mit einbeziehen.

Wenn der Fahrschüler erst 20 m hinter der Kreuzung mit dem Bremsvorgang begonnen hat, ist das natürlich deutlich zu spät, auch für einen Anfänger. Allerdings trägt dann nicht er, sondern der Fahrlehrer die Verantwortung. Der muß nämlich entscheiden, für welche Situationen sein Fahrschüler ausgebildet ist. Von daher mußt du damit rechnen, das der Fahrlehrer seine Aussage nach seiner Sicht "objektiviert".

Du solltest dir auf jeden Fall einen Anwalt nehmen, damit du an die Aussagen vom Fahrlehrer, vom Fahrschüler und von der Polizei rankommst.

Das es zwischen deinem Fahrzeug und dem Motorrad zum Kontakt gekommmen ist, spricht grundsätzlich erst mal gegen dich. Da kannst du eigentlich nur hoffen, das es in den Aussagen der anderen Widersprüche bzw. Unsachlichkeiten gibt. Als Wartepflichtiger hat man da vor Gericht gleich mal die schlechtesten Karten.


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Zu: Vorfahrt missachtet o. im fliessendem V.

angehängt von Peter73 [Email: Keine]
am 11.12.02 18:40

Danke fuer die Antwort. Laut Polizei muss ich, falls ich auf eine Vorfahrstrasse fahre alle Faktoren beruecksichtigen. D.h. ob es sich um einen Fahrschueler handelt, der das Fahrzeug nicht richtig beherscht, ob er gegen die Sonne schaut, ob die Strasse feucht ist, die Geschwindigkeit des Fahrzeuges etc. Sobald der Fahrer nur den Fuss vom Gas nehmen muss liegt eine Behinderung vor und damit habe ich die Vorfahrt missachtet und den Unfall verschuldet. Ist diese Aussage pauschal richtig ? Und muessen diese Faktoren alle immer beruecksichtigt werden ?
Ich habe jetzt ein Bussgeldbescheid ueber 78 Euro inkl. Gebuehren bekommen (Tatkennziffer 108607), obwohl in den Bemerkungen steht, dass ich das unbedingte Haltegebot (Z.206) beachtet habe. Irgendwie sehe ich es noch nicht ein die Summe zu zahlen. Lohnt es sich aber fuer 78 Euro Bussgeld und einen Schaden von 2.000 Euro einen Anwalt zu nehmen ? Vielen Dank


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Ohne Aktenkenntnis nicht zu entscheiden

angehängt von MrMurphy [Email: Keine]
am 11.12.02 19:52

Ohne Aktenkenntnis und Kenntnis der Kreuzung kann ich dir leider keine Empfehlung geben, ob sich ein Widerspruch lohnt. Aber mich würde auch mal die Meinung von anderen interessieren, da ich kein Fachmann bin.

Das man als Wartepflichtiger alle Umstände mit einbeziehen muß, ist außer Frage, das hatte ich ja schon angedeutet. Im Gesetz steht: "Er darf nur weiterfahren, wenn er übersehen kann, daß er den, der die Vorfahrt hat, weder gefährdet noch wesentlich behindert."

Allerdings geht der Polizist meiner Ansicht nach zu weit, wenn er verlangt, das du aus der Entfernung ein Fahrschulmotorrad erkennen kannst. Das kommt andererseits aber auch darauf an, ob der nachfolgende Fahrschulwagen z. B. ein Schild auf dem Dach hatte. Aber so was kann ich aus der Ferne vor meinem Monitor sitzend nicht richtig beurteilen.

Auch das es schon eine wesentliche Behinderung sein soll, wenn man als Vorfahrtberechtigter vom Gas gehen muß ohne zu bremsen, finde ich übertrieben. Das ist im Gesetz aber nicht näher definiert.

Es ist aber seit Jahrzehnten eine durchgehende "Linie" in der Rechtsprechung, das bei Unfällen an Kreuzungen oder Einmündungen grundsätzlich der Wartepflichtige die Schuld aufgebrummt bekommt. Die Behörden und Gerichte wollen damit auch klare Verhältnisse schaffen, nämlich das der Wartepflichtige im Zweifel lieber noch ein paar Autos durchläßt.

Von daher hast du für einen Widerspruch schlechte Aussichten. Um da überhaupt was sinnvolles Raten zu können, ist die Einsicht in die Akten unerläßlich. Sind die Brems- und Schleifspuren vom Motorrad vermessen worden? Wo beginnen sie, wo ist es zum Sturz gekommen? Wie viele Fahrstunden hatte der Motorradfahrer? Gibt es Ungereimtheiten in den Aussagen der anderen? Woran kannst du festmachen, das der Motorradfahrer erst 20m hinter der Kreuzung mit dem Bremsvorgang begonnen hat? Und so weiter.

Außerdem ist dein starkes Bremsen sehr ungewöhnlich. Da es in Situation eindeutig falsch war, werden die Behörden daraus folgern, das du mit der gesamten Situation überfordert warst. Wenn man im Rückspiegel so etwas Großes wie ein Motorrad auf sich zukommen sieht, wird man automatisch eher Gas geben, um einen Unfall zu vermeiden, zumal man sowieso noch am Beschleunigen ist. Außerdem hast du durch dein starkes Bremsen eventuell noch das nachfolgende Fahrschulfahrzeug behindert.

Ist an deinem Fahrzeug eventuell ein Bremslicht kaputtgegangen? Wenn ja, hat die Polizei sich das angesehen? Wenn die Birne kaputt ist kann man nämlich beweisen, ob sie zum Zeitpunkt des Unfalls gebrannt hat oder nicht?

Es gibt also jedem Menge offene Fragen, die für einen fundierten Ratschlag geklärt werden müßten.


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Zu: Vorfahrt missachtet o. im fliessendem V.

angehängt von Hans Wurst [Email: Keine]
am 11.12.02 20:45

siehe auch: älterer Beitrag


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Re: Ohne Aktenkenntnis nicht zu entscheiden

angehängt von Peter73 [Email: Keine]
am 12.12.02 09:54

Danke MrMurphy und Hans Wurst fuer die Antworten.
MrMurphy: einige Informationen habe ich noch:
1. Der nachfolgende Fahrschulwagen hatte ein weisses Fahrschulschild auf dem Dach. Dies habe ich aber erst nach dem Unfall gesehen. An dem Stoppschild war das Auto noch ca. 250 Meter (davor der Motorradfahrer) entfernt. Auf Grund dieser grossen Entfernung war das Schild nicht zu erkennen.

2. das die Rechtsprechung oft dem Wartepflichtigen die Schuld aufbrummt kann ich verstehen. ABER: ich hatte als Wartepflichtiger absolut kein Zweifel !

3. Brems- und Schleifspuren
Es gibt eine Bremsspur vom Motorrad ca. 20 Meter hinter der Kreuzung. Die Bremsspur ist unter 1 Meter! Dann kommt sofort eine gerade Schleifspur von 81 Meter. Anschliessend kam es zum Kontakt mit meinem Wagen.
Der Motorradfahrer hatte 8 Pflichtstunden und musste noch 4 Pflichtstunden machen. Laut seiner Aussage hat er zuerst etwas gebremst hat gemerkt das die Strasse rutschig war und hat dann eine Vollbremsung gemacht.

3. zu meinem Bremsen
Ich habe gesehen, das der Motorradfahrer in den Graben gerutscht war. Ich dachte nur - Ich muss sofort helfen ...

4. Schaden an meinem Fahrzeug
Ein Bremslicht ist nicht kaputt gegangen. Der Schaden ist auch sehr gering. Die rechte Ecke der Stossstange hat eine kleine Beule. Waere ich beim Bremsen etwas nach links gezogen haette das Motorrad mich bestimmt nicht erwischt. Aber wer kann das in so einer Situation wissen.

Meine Aussage das die Fahrzeuge am Stoppschild noch ca. 250 Meter entfernt waren hat auch mein Beifahrer als Aussage bestaetigt.

Lohnt es sich jetzt Einspruch einzulegen ?
Was fuer Kosten koennen dann fuer mich entstehen ?

Vielen Dank

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